Leitbild: Gemeinsame Grundprinzipien

Sensibilisieren, verbünden, ermächtigen, vorbeugen – die Bedeu­tung von Antidiskriminierungsar­beit in der demokratischen Viel­faltsgesellschaft

Der Aufbau des AdiNet Mittelhessen wurde im Jahr 2018 begonnen, mit dem Ziel, ein Netzwerk für Engagierte und Interes­sierte im Bereich der „Antidiskriminierung“ zu etablieren, um das Bewusstsein über Benachtei­ligungsformen und das Wissen über wirksame Gegenstrategien gemein­sam in die Breite zu tragen. Das Antidiskriminierungsnetzwerk reagiert auf den Bedarf einer horizontal und mehrdimensional ausgerichte­ten An­tidiskriminierungsarbeit und will dafür Strukturen etablieren. Ak­teur*innen und Betroffene aus verschiedenen Bereichen sollen die Mög­lichkeit erhalten ihre Kräfte zu bündeln, voneinander zu lernen und ge­meinsame Maßnahmen für die Aufdeckung und Bekämpfung von Diskri­minierung in unserer Gesellschaft zu entwickeln, ohne die spezifischen Bedarfe der verschiedenen betroffenen Gruppen aus dem Blick zu verlie­ren.

Die Wertschätzung von Vielfalt, Teilhabe und Gleichbehandlung sind zent­rale demokratische Werte und grundlegend für den Zusammenhalt einer pluralen Gesellschaft.

Unsere Vision ist eine diskriminierungsbewusste und -kritische Gesell­schaft. Die rechtlichen Grundlagen für die Tätigkeiten des Vereins sind insbesondere:

  • Art. 3, Abs. 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, nach dem niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, aufgrund rassisti­scher Zuschreibungen[1], seiner Sprache, seiner Hei­mat und Her­kunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politi­schen Anschauungen be­nachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinde­rung benachteiligt werden darf.
  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vom 14. August 2006 (zu­letzt geändert 5.2.2009), dessen §1 lautet: Ziel des Geset­zes ist, Benachtei­ligungen aufgrund rassistischer Zuschreibungen[2] oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Welt-anschau­ung, einer Behinderung, des Alters oder der sexu­ellen Identi­tät und Orientierung zu verhindern oder zu beseitigen.

Begleitung, Sensibilisierung, Ermächtigung (Empowerment), Ver­netzung

Antidiskriminierungsarbeit bedeutet sowohl die Unterstützung der einzel­nen Betroffenen, als auch eine gute, strategische und konstante Lobbyar­beit, die in alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Berei­che hineinwirkt.
 

Unsere Aufgaben sehen wir deshalb darin

  • uns mit lokalen Beratungsstellen sowie institutionellen und zivilge­sellschaftli­chen Akteur*innen zu vernetzen, um die Diskriminie­rungsbekämpfung, die Prävention und die Selbstermächti­gung (Em­powerment) auf möglichst breite Füße zu stellen.
  • Institutionen, Gremien, Unternehmen und andere gesellschaftliche Ak­teure zu sensibilisieren und in der Umsetzung vielfaltsorientierter und diskri­minierungssensibler Maßnahmen zu begleiten; mit dem Ziel auch struk­turelle Diskriminierung aufzudecken und zu be­kämpfen[3]
  • Menschen bei erlebter Diskriminierung bei der Suche nach einer qualifizierten Be­gleitung[4] zu helfen, damit sie bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen und der Durchsetzung ihrer Rechte zu Unterstüt­zung erfahren und nicht mit ihren enttäuschenden und teilweise traumatisierenden Erfahrungen al­lein bleiben.
  • Auch auf die Belange von Menschen aufmerksam zu machen, die Diskriminierung aufgrund von Kriterien erfahren, die nicht im AGG berücksichtigt sind.[5]
 

[1] Die Verwendung des Begriffes „Rasse“ in Bezug auf Menschen, wie dies im Grundgesetz bei Verabschiedung 1949 noch formuliert wurde, entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft und wird vom ADM e.V. abgelehnt. Hier wurde deshalb ein eigener Formulierungsvorschlag verwendet, mit dem der Sachverhalt der Zuschreibung explizit gemacht wird.

 

[2] Siehe Fußnote 1

 

[3] Staatliche Institutionen wie Schulen, Polizei u.a. können nicht auf der Basis des AGG zur Verantwortung gezogen werden. Erfahrungen von Minderheitenvertretungen und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigen aber, dass besonders im Bereich Bildung (Schule, Kita, Uni) der Handlungsbedarf groß ist.

 

[4] Vgl. Standards für eine qualifizierte Antidiskriminierungsberatung: www.antidiskriminierung.org/materialien/qualitaetsstandards-ad-beratung

 

[5] Laut einer bundesweiten Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2015 berichteten 10,1% der Befragten von Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Merkmals „sozioökonomische Lage“ und 8,2% aufgrund „anderer [nicht im AGG aufgeführten] Merkmale“